04.09.2019 10:00 // Suchtprobleme verursachen Fehltage

Erwerbstätige in Rheinland-Pfalz mit Hinweisen auf eine mögliche Suchtproblematik haben einen doppelt so hohen Krankenstand wie ihre Kollegen ohne Hinweise.

Dr. med. Alexander Jatzko (v.l.), Dirk Kaulen, Joachim Färber und Peter Förster kommen über den Gesundheitsreport ins Gespräch.

Hunderttausende Beschäftigte in Rheinland-Pfalz haben ein Suchtproblem. Das hat der Gesundheitsreport 2019 der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) ergeben, der jetzt im Westpfalz-Klinikum vorgestellt wurde. Laut der Studie zeigen 184.000 Arbeitnehmer einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder zehnte Beschäftigte. 356.000 Arbeitnehmer sind zigarettenabhängig. Und rund 120.000 Erwerbstätige zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten im Hinblick auf Computerspiele.

„Wer süchtig ist, ist auch häufiger krankgeschrieben“, sagt Dr. med. Alexander Jatzko, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Gesundheitsreport. Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung haben deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 8 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Alkohol: 184.000 Arbeitnehmer trinken riskant

Der Großteil der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Rheinland-Pfalz auf Alkohol zurückzuführen (58 Prozent). Laut DAK-Studie haben rund 184.000 Arbeitnehmer (10 Prozent) hierzulande einen riskanten Alkoholkonsum. Bei Männern beginnt das beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante Trinken bleibt daher ein zentrales Problem im Land, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Dirk Kaulen, Chef der DAK in Kaiserslautern.

Zigaretten: 356.000 Beschäftigte sind tabakabhängig

Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Report in Rheinland-Pfalz die am weitesten verbreitete Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 19,3 Prozent der Erwerbstätigen sind zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil. Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen. Hinzu kommen fast 6 Prozent der Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz die E-Zigaretten nutzen. „Das ist zwar weniger schädlich, aber nicht unschädlich“, sagt Dr. Alexander Jatzko.

Computerspiel: 120.000 Beschäftigte spielen riskant

Der Report untersucht auch das Thema Computerspielen und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Demnach spielt die Hälfte der Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz Computerspiele. 6,5 Prozent der Erwerbstätigen gelten als riskante Gamer. Das heißt: 120.000 Beschäftigte zeigen auffälliges Nutzungsverhalten. Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report riskante Computerspieler (11,6 Prozent). Folge kann unter anderem ein Mangel an Konzentration bei der Arbeit sein.

Ob Zigaretten-, Alkohol- oder Computerspiel-Abhängigkeit - Joachim Färber, Beigeordneter der Stadt und Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Westpfalz-Klinikum GmbH, betrachtet Suchtprobleme als Ausdruck der Leistungsgesellschaft. „Sie sind ein Ventil für den Druck, der vorherrscht – nicht nur im Beruf, sondern auch in der Familie und in der Freizeit“, sagt er. „Die Menschen versuchen häufig, damit etwas zu kompensieren.“ Deshalb sei es wichtig, neben der Wirkung auch die Ursache zu betrachten.

Für den Gesundheitsreport 2019 wurden nach Angaben der DAK die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz ausgewertet. Hinzu kommen Analysen der ambulanten und stationären Versorgung. Eine repräsentative Befragung von 5.600 Beschäftigten sowie eine Expertenbefragung geben Aufschluss über die Verbreitung und den Umgang mit den verschiedenen Suchtmitteln und Verhaltensweisen.