17.12.2019 08:35 // Weltweit neuer Standard in der Behandlung von Lymphdrüsenkrebs etabliert

Er gehört zu den national und international renommierten Experten in der Behandlung von Lymphdrüsenkrebs: Prof. Dr. med. Gerhard Held, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 1. Als Leiter und Initiator von zwei großen klinischen Studien zur Verbesserung der Behandlung des aggressiven Non-Hodgkin-Lymphoms hat er jetzt weltweit neue Behandlungsstandards etabliert. Im Interview berichtet er über die Ergebnisse seiner Forschungsprojekte.

Prof. Dr. med. Gerhard Held, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 1

Ein von Ihnen verfasster wissenschaftlicher Artikel erscheint jetzt in „The Lancet“, einer der wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften. Worum geht es in dem Artikel?
Prof. Held: Wir haben in einer großen, internationalen Studie aufgezeigt, dass man bei Patienten mit einem aggressiven B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom und günstigen Risikofaktoren die Chemotherapie von 6 auf 4 Zyklen reduzieren und dabei identische Heilungsraten erreichen kann. Das aggressive B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom ist die häufigste Erkrankung aus dem Formenkreis des Lymphdrüsenkrebses. Sie verläuft unbehandelt innerhalb von wenigen Monaten tödlich. Die Mehrzahl der Patienten kann man mit einer Immunochemotherapie heilen. Die Immunochemotherapie ist aber eine belastende Behandlungsform mit vielen Nebenwirkungen und auch Spätfolgen.

Was bedeutet das für die Patienten?
Eine erheblich kürzere und nebenwirkungsärmere Behandlung. Chemotherapien werden prinzipiell in Zyklen verabreicht. Ein Zyklus wiederholt sich alle drei Wochen. Nach jedem Zyklus verschlechtern sich die Blutwerte, besteht ein Infektionsrisiko und Schädigungen an Nerven, Herz oder anderer Organe können zunehmen. Jeder Patient weiß, wie anstrengend und belastend die Zeit unter der Therapie ist. Durch die Reduktion von 6 auf 4 Zyklen verkürzt sich die Dauer der Chemotherapie von 18 Wochen auf nun nur noch 12 Wochen und reduziert damit die Nebenwirkungen und Spätfolgen. Unsere Arbeit definiert weltweit den neuen Behandlungsstandard für diese Patienten.

Wie lange wird es dauern, bis der neue Behandlungsstandard hier am Westpfalz-Klinikum eingeführt wird?
Wir behandeln unsere Patienten schon seit über einem Jahr so. Immerhin war ich unter den Ersten, die die Studienergebnisse kannten.

Welche Rolle haben Sie bei dieser Studie gespielt?
Ich habe die Studie mitkonzipiert, wesentlich an ihrer Umsetzung und Durchführung mitgearbeitet, sie ausgewertet und den Artikel geschrieben. Es war eine fast 15 Jahre währende Mammutaufgabe. 139 Arztpraxen und Krankenhäuser aus 5 Ländern haben teilgenommen und 588 Patienten behandelt. Letztlich haben die Größe der Studie und die damit statistisch eindeutigen Ergebnisse dazu geführt, dass sie im „Lancet“ veröffentlicht worden ist.

Haben Patienten aus Kaiserslautern und Umgebung an dieser Studie teilgenommen?
Ja, und wir therapieren weiterhin Patienten in Studien, die ich zum Teil auch selbst leite, mit dem Ziel, die Behandlungsergebnisse und damit die Heilungsraten zu verbessern.

Was bedeutet Ihnen persönlich die Veröffentlichung in „The Lancet“?
Es macht mich demütig, dankbar und stolz. Sehr viele Menschen haben zum Gelingen dieses Projektes beigetragen, von dem am Ende unsere Patienten profitieren werden.

Zum Beitrag in "The Lancet"
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