08.07.2019 20:00 // Pressemitteilung

Taskforce legt vorläufigen Abschlussbericht vor: Keine Hinweise auf möglichen Kindesmissbrauch am Westpfalz-Klinikum durch den mittlerweile verstorbenen Assistenzarzt

Kaiserslautern - Nach rund zwei Wochen intensiver Arbeit hat die Taskforce am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern heute ihren vorläufigen Abschlussbericht vorgelegt. Danach finden sich keine Hinweise darauf, dass der von April 2014 bis zu seinem Tod im Juni 2016 in der Klinik für Neurologie beschäftigte Mediziner möglicherweise Kinder im Rahmen seiner Tätigkeit am Westpfalz-Klinikum missbraucht haben könnte.

„Wir bedauern die Unruhe, die durch die Einrichtung der Taskforce im Klinikum und in der Öffentlichkeit entstanden ist", sagt Peter Förster, Geschäftsführer der Westpfalz-Klinikum GmbH. „Nur durch ein hohes Maß an Transparenz und umfassende Information der Patienten, Aufsichtsbehörden, Beschäftigten und der breiten Öffentlichkeit konnten wir angemessen Licht in den Fall bringen", so Förster weiter.

Heute wurden auch die zuständige Aufsichtsbehörde des Westpfalz-Klinikums, das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie des Landes Rheinland-Pfalz in Mainz, sowie der Opferbeauftragte der Landesregierung Rheinland-Pfalz im Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz über die Ergebnisse der Taskforce-Arbeit informiert. Bereits vor einer Woche haben beide Institutionen einen vorläufigen Zwischenbericht der Taskforce erhalten.

Die parallel zur Taskforce eingerichtete Hotline (Telefon: 0151 / 68 82 57 69 bzw. E-Mail: sybille@jatzko.de) bleibt vorerst bestehen. Diese Anlaufstelle für ehemalige Patienten bzw. deren Angehörige sowie Mitarbeiter wird von der ehemaligen Missbrauchsbeauftragten der Diözese Speyer, Sybille Jatzko, als Ombudsfrau betreut. Bei ihr sind bislang keine Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle am Westpfalz-Klinikum eingegangen.

Hintergrundinformationen

Die Taskforce war am Westpfalz-Klinikum am Montagabend, 24. Juni 2019, eingesetzt worden, nachdem in Medienberichten schwere Vorwürfe gegen einen ehemaligen Assistenzarzt erhoben wurden. Danach soll der Mediziner bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem Uniklinikum Homburg, in der Zeit von 2010 bis 2014 möglicherweise Kinder missbraucht haben. Später wurde bekannt, dass der Assistenzarzt unter Umständen bereits während seines Studiums auffällig geworden sein könnte.

Mitglieder der zehnköpfigen Taskforce am Westpfalz-Klinikum waren in wechselnder Zusammensetzung u.a. Vertreter der Geschäftsführung, ärztlichen Leitung, Pflegedirektion, verschiedener Kliniken sowie mehrerer Stabsstellen. Sie hatten die Aufgabe, umfassend aufzuklären, ob der beschuldige Assistenzarzt während seiner Beschäftigung in der Klinik für Neurologie des Westpfalz-Klinikums möglicherweise Kinder missbraucht haben könnte. Im Rahmen mehrerer Sitzungen hat die Taskforce unter Hinzuziehung externer Experten die aktuelle Situation besprochen und notwendige Folgemaßnahmen eingeleitet.

Untersucht wurde insbesondere, ob der Assistenzarzt im Westpfalz-Klinikum Kontakt zu minderjährigen Patienten hatte - beispielsweise durch deren Behandlung in der Klinik für Neurologie oder durch neurologische Konsile - also Überweisungen von Patienten der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin oder anderer Fachabteilungen an die Neurologie. Auch ein möglicherweise unberechtigter Zugriff des Mediziners auf die Daten minderjähriger Patienten im Krankenhausinformationssystem orbis wurde geprüft. Hierbei zeigte sich, dass der Assistenzarzt - gemeinsam mit anderen Medizinern - möglicherweise in die Behandlung einer damals 17-jährigen Patientin in der Notaufnahme involviert war. Die betreffende Patientin wurde von der Klinik mittlerweile angeschrieben. Berichte über eventuelle Auffälligkeiten liegen auch hier bislang nicht vor.

Nachtrag vom 10.07.2019, 18:00 Uhr

Taggleich mit der Veröffentlichung dieser Pressemitteilung am Montag, 8. Juli 2019, wurden Vertreter des Westpfalz-Klinikums für die „Abgabe eines Berichts" zu einer Sondersitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarländischen Landestags am Dienstag, 16. Juli 2019, nach Saarbrücken eingeladen. Nach Rücksprache mit unseren Gesellschaftervertretern - den gewählten politischen Vertretern der Stadt Kaiserslautern, des Landkreises Kusel und des Donnersbergkreises - wird das Westpfalz-Klinikum keinen Vertreter zur Ausschusssitzung nach Saarbrücken entsenden.

Zum einen kann das Klinikum - wegen des eindeutigen Ergebnisses der Taskforce - kleinerlei inhaltliche Beiträge oder neue Erkenntnisse liefern. Zum anderen ist die gewünschte „Abgabe eines Berichts" an das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Mainz bereits erfolgt.