15.04.2019 06:38 // Parkinson – Symptome, Ursachen, Therapieoptionen

Die Diagnose Parkinson ist für viele Betroffene ein Schock. Doch was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff Parkinson? Prof. Dr. med. Johannes Treib, Chefarzt der Klinik für Neurologie an unserem Standort in Kaiserslautern, informiert im Interview über das Krankheitsbild und seine Behandlungsmöglichkeiten.

Prof. Dr. med. Johannes Treib, Chefarzt der Klinik für Neurologie

Was ist Parkinson?
Der Parkinson-Erkrankung liegt zugrunde, dass bestimmte Nervenzellen im Gehirn, die für den Botenstoff Dopamin zuständig sind, untergehen. Infolgedessen treten bei dem Patienten neurologische Ausfallerscheinungen auf.

Wann habe ich als Betroffener Grund zur Sorge, dass es sich bei meinen Symptomen um Parkinson handeln könnte?
Die allerersten Anzeichen der Erkrankung sind sehr unspezifisch und leicht zu übersehen. Zum Beispiel haben die Patienten Probleme, Gerüche wahrzunehmen. Es fällt ihnen schwer, eine Banane am Geruch zu erkennen oder ihr altes Parfüm. Aber auch Symptome wie Rückenschmerzen können Frühzeichen sein. Ebenso kann die Schrift kleiner und krakeliger werden. Manchmal gehen auch psychische Veränderungen mit der Erkrankung einher, zum Beispiel Niedergeschlagenheit und leicht depressive Tendenzen. Die eigentliche Erkrankung tritt durch motorische Symptome in den Vordergrund, vor allem durch die Verlangsamung der Bewegung. Die Mimik wird steif, die Arme werden nicht mehr richtig mitgeschwungen, der Oberkörper ist eher nach vorne gebeugt, der Gang wird etwas schlurfend. Das sind die typischen motorischen Probleme. Aber auch das Zittern kann hervortreten, wobei es dann häufig eher einseitig ist. In anderen Fällen kann es sein, dass eine Instabilität im Vordergrund steht, sodass die Patienten zum Beispiel Probleme haben, sich beim Stehen schnell umzudrehen.

Im Zusammenhang mit Parkinson ist auch von Freezing-Erscheinungen die Rede. Worum handelt es sich dabei?
Durch den Mangel an Dopamin kommt es dazu, dass die Bewegungsabläufe insgesamt immer langsamer werden. Dieser Effekt lässt sich mit Medikamenten gut behandeln. Wenn die Medikamente aufhören zu wirken, kann es sein, dass dieses Freezing-Phänomen wieder auftritt. Dann wirken die Bewegungsabläufe erneut wie eingefroren. Der Patient braucht Medikamente, um wieder in Gang zu kommen.

Was sind die gängigen Behandlungsmöglichkeiten?
Es gibt leider keine Therapie, um die Parkinson-Erkrankung zu heilen. Genauso wenig gibt es eine wirklich gute vorbeugende Therapie. Die medikamentöse Therapie ist jedoch in der Lage, die Symptome zu lindern und dem Patienten viele Jahre eine gute Lebensqualität zu bieten. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwieriger wird die Behandlung, desto mehr verschiedene Medikamente sind notwendig. In weiter fortgeschrittenen Stadien ist es dann oft erforderlich, dass Pumpensysteme oder Pflaster zum Einsatz kommen. In einzelnen Fällen gibt es auch neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten. Die Tiefenhirnstimulation, auch Hirnschrittmacher genannt, konnte in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielen.

Sind Männer oder Frauen häufiger von Parkinson betroffen?
Männer sind etwas häufiger betroffen. Ganz grob kann man sagen zwei Drittel sind Männer und ein Drittel Frauen. Es gibt keine gute Erklärung, warum das so ist.

Gibt es Forschungserkenntnisse, wo die Ursachen für diese Erkrankung liegen?
Der Dopamin-Mangel ist als Ursache eindeutig nachgewiesen. Aber man muss sagen, es gibt verschiedene Gruppen von Parkinson-Patienten. Dem eigentlichen Morbus Parkinson – das sind etwa drei Viertel der Patienten – liegt der Untergang dieser Nervenzellen zugrunde, wofür die Ursache nicht klar ist. In etwa einem Viertel der Fälle gibt es durchaus Erklärungen, zum Beispiel Gendefekte, die dafür identifiziert werden konnten. Recht häufig sind auch Durchblutungsstörungen, die zur Folge haben, dass die Dopamin-produzierenden Zellen diffus mitgeschädigt sind.

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