20.12.2018 07:17 // Pepe kämpft sich ins Leben

Am 22. September 2018 kommt Pepe mehr als 16 Wochen zu früh auf die Welt. Seine Eltern beschließen, für ihn und mit ihm zu kämpfen. Ärzte und Pflegefachkräfte unseres Perinatalzentrums unternehmen alles, um Pepe den frühen Start ins Leben zu ermöglichen.

Seit drei Monaten verbringt Verena Buschbaum, die Mutter von Pepe, mehr Zeit in der Kinderklinik als zu Hause in Idar-Oberstein.

Wenn Verena und Michel Buschbaum die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Kaiserslautern betreten, ist es ein bisschen so, als ob sie nach Hause kommen. Pflegefachkräfte, Ärzte – sie kennen jeden hier. Seit drei Monaten kommen sie täglich auf die Frühgeborenen- und Intensivstation 20/2, verbringen hier mehr Zeit als zu Hause in Idar-Oberstein. Denn hier ist ihr Kind: der kleine Pepe.

350 Gramm, 25 Zentimeter – Pepe kommt am 22. September 2018 mehr als 16 Wochen zu früh auf die Welt. Ein Schock für die Eltern. Doch sie schließen ihn gleich ins Herz. „Ich habe ihn gesehen und fand ihn wunderschön“, sagt Verena Buschbaum. „Er sah aus wie ein Vogelbaby, das aus dem Nest gefallen ist.“

Auch wenn das Risiko groß ist, dass es zu Komplikationen wie Hirnblutungen kommen wird, entscheiden sich Verena und Michel Buschbaum, für und mit Pepe zu kämpfen. Ein langer Weg beginnt. Ein Weg mit vielen Fortschritten und einigen Rückschritten. Ein Weg, der die Eltern viel Kraft kosten wird und der auch medizinisch eine Herausforderung sein wird.

„Es war als ob eine Fliege auf einem landet“

Als Perinatalzentrum mit dem höchsten medizinischen und pflegerischen Versorgungsniveau (Level 1) ist das Westpfalz-Klinikum besonders auf Kinder in sehr frühen Schwangerschaftswochen spezialisiert. So erhält Pepe von Anfang an die notwendige medizinische Versorgung. Auf der Station betreut ihn ein qualifiziertes Ärzte-Team mit mehreren ausgebildeten Neonatologen. Die Pflegekräfte haben einen speziellen Pflegeintensivkurs mit Schwerpunkt Früh- und Neugeborene absolviert. „Wir legen sehr viel Wert auf die Qualifikation unserer Mitarbeiter. Alle Beteiligten sind top ausgebildet“, sagt Matthias Moritz, stellvertretender Pflegedirektor.

Und auch Verena und Michel Buschbaum werden Schritt für Schritt in die Versorgung von Pepe auf der Station einbezogen. Nachdem der kleine Junge die ersten fünf Tage gut überstanden hat, dürfen die Eltern zum ersten Mal „känguruhen“. Dabei wird das nackte Frühgeborene auf den nackten Oberkörper der Eltern gelegt.

„Es war als ob eine Fliege auf einem landet“, erinnert sich Verena Buschbaum. Ein emotionaler Moment. „Der Hautkontakt, die Wärme und die Geborgenheit haben einen positiven Einfluss auf das Baby, was meist schon direkt an den Kreislauffunktionen und der Atmung zu sehen ist“, sagt Oberärztin Kathrin Fritsche, Leiterin der Sektion Neonatologie, die Pepe und seine Eltern auf ihrem Weg begleitet.

„Wir wissen, dass es Pepe hier gut geht“

Auf der Station wird von ärztlicher und pflegerischer Seite alles unternommen, um Pepe den frühen Start ins Leben zu erleichtern. Deshalb erlauben sich die Eltern zwischen ihren Besuchen auch mal, die Verantwortung dem medizinischen Fachpersonal zu überlassen und sich selbst etwas Gutes zu tun. „Wir wissen, dass es Pepe hier gut geht. Die Ärzte und Pflegekräfte freuen sich genauso über jede Zunahme wie wir. Und wenn wir doch Sehnsucht bekommen, können wir anrufen“, sagt die Mutter.

1500 Gramm, 39 Zentimeter – in den ersten drei Monaten hat Pepe große Fortschritte gemacht. Die größten Komplikationen, die drohten, sind ausgeblieben. Hirnblutungen gab es keine. „Ein kleines Wunder“, sagt Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Kriebel. „Die Medizin hat sich fortentwickelt. Wir kommen dazu, sogar Frühgeborene in der 23. Schwangerschaftswoche zu versorgen.“

Doch die vergangenen drei Monate haben Verena und Michel Buschbaum sehr viel Kraft gekostet. Manchmal scheint ihnen der Weg unendlich lang. Trotzdem haben sie die Hoffnung nie aufgegeben, dass ihr Pepe es schaffen kann. Jetzt stellen sie sich die Frage, wann sie ihren Sohn wohl mit nach Hause nach Idar-Oberstein nehmen können.

„Hier werden unsere Ängste geteilt und mitgetragen“

In der Regel können Frühgeborene bis zum errechneten Geburtstermin entlassen werden. Aber soweit ist Pepe, der eigentlich erst Mitte Januar hätte zur Welt kommen sollen, noch nicht. „Es gibt noch die ein oder andere Herausforderung am Herz, die gemeistert werden muss“, sagt die Mutter. Die Eltern müssen auch weiterhin Kraft und Geduld aufbringen.

So sehr sie sich auf den Tag freuen, an dem sie ihren Pepe mit nach Hause nehmen dürfen – sie haben auch Angst davor. Der Abschied von der Kinderklinik und den Menschen, die sie auf diesem langen und schwierigen Weg begleitet haben, wird Buschbaums schwer fallen. „Hier werden unsere Ängste geteilt und mitgetragen“, sagt die Mutter. Zu Hause werden die Eltern dann allein für Pepe verantwortlich sein.

Doch auch beim Übergang von der Rundumversorgung der Klinik ins Kinderzimmer zu Hause wird das Perinatalzentrum Pepe und seine Familie unterstützen. Aus diesem Grund gibt es die Sozialmedizinische Nachsorge, die sich an Familien mit frühgeborenen und chronisch kranken Kindern richtet. Ein Team aus Kinderkrankenpflegekräften, einer Sozialarbeiterin, einem Psychologen und zwei Kinderärztinnen zur Verfügung und bietet Eltern in der ersten Zeit nach der Entlassung aus der Klinik zu Hause Hilfe an. So kann der Start ins Familienleben gelingen.