19.09.2018 07:54 // Per Saug- und Druckluft von A nach B

Am Standort Kusel saust die Rohrpost schon seit über einem Jahr durchs Haus. In Kaiserslautern wurde sie im April in Betrieb genommen. Die neue Anlage befördert Blutproben und Dokumente per Saug- und Druckluft von A nach B. Mitarbeiter und Patienten profitieren von dem beschleunigten Transport.

Vor allem morgens zu den Blutentnahme-Zeiten treffen viele Büchsen im Labor ein.

Ob Blut-, Gewebe-, Urinproben, Abstriche oder Dokumente wie Überweisungs- und Anforde-rungsscheine – sie alle können seit April per Rohrpost durchs Klinikum am Standort Kaisers-lautern fahren. Nur mit Saug- und Druckluft werden die Büchsen befördert und können bis zu sechs Meter pro Sekunde zurücklegen. Eine Geschwindigkeit, die zu Fuß keiner erreichen kann.

„Unsere Erfahrungen mit der Rohrpost sind sehr positiv. Die Zeiten, bis wir Blutwerte bekommen, haben sich deutlich verkürzt“, sagt Berthold Germann, Leitender Arzt in der Zentralen Notaufnahme (ZNA). Das sei vor allem für ambulante Patienten wichtig, die dadurch schneller behandelt werden können. Aber auch stationäre Patienten profitieren laut Germann davon, denn sie können früher auf Station verlegt werden.

Verteilstation bringt Büchsen in richtige Position

Eine Sendestation für die Anlage befindet sich nicht nur in der ZNA sondern auch auf den Intensivstationen 6/3, 10/5, 10/8 und 20/2. Dort können alle anderen Mitarbeiter im Haus ihre Proben hinbringen. „Werden die Dosen mit Blutproben beladen, reduzieren sie ihre Geschwindigkeit auf drei Meter pro Sekunde“, erläutert Klaus-Dieter Sperber, Mitarbeiter im Referat Technik am Standort Kaiserslautern. „Denn Blut darf nicht geschüttelt werden.“

An der Verteilstation der Anlage im Keller geht es zu wie an einem Bahnhof. Dort kommen alle Büchsen an und werden je nach Ziel in die richtige Position gebracht. Wenn die Route frei ist, sausen sie mit einem Zischen los. Andernfalls kommen sie in die Warteschleife. Die Verteilstation ist hoch frequentiert: Pro Tag schicken die Mitarbeiter bis zu 420 Plastikbüchsen durch die Leitungen.

Alle Leitungen laufen im Labor – der Empfangsstation – zusammen, wo Ute Immel, Leitende MTA, und ihre Kollegen sie in Empfang nehmen. „Das geht im Fünf-Minuten-Takt“, sagt Immel. Vor allem morgens zu den Blutentnahme-Zeiten sei viel los. „In diesen Stoßzeiten ist einer von uns immer damit beschäftigt, die Büchsen zu öffnen, zu entleeren und den Inhalt zu verteilen.“ Die leeren Behälter werden anschließend direkt an die Adressaten zurückgeschickt.

Schneller Transport ermöglicht schnelle Entscheidungen

Am Standort Kusel saust die Rohrpost schon seit mehr als einem Jahr durchs Haus. Sie wur-de zeitgleich mit der neuen Intensivstation in Betrieb genommen. „Die Anlage ist auf jeden Fall eine Arbeitserleichterung“, sagt Cathleen Witt, Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation. „So müssen wir nicht wegen jeder Probe ins Labor laufen.“ Denn das sei vor-her im Spätdienst der Fall gewesen.

In manchen Situationen könne der schnelle Transport mit der Rohrpost sogar Leben retten, sagt Witt. Zum Beispiel wenn ein Patient einen Herzinfarkt habe und schnell entschieden wer-den müsse, ob er ins Herzkatheterlabor muss oder eine Therapie stattfinden muss. „Dank der Rohrpost kann ich schneller Entscheidungen treffen“, sagt die Krankenpflegerin. Dadurch können Patienten manchmal auch früher auf andere Stationen verlegt werden.

Bedienfehler setzen Anlage außer Betrieb

Auch wenn die Erfahrungen mit der Rohrpost-Anlage überwiegend positiv sind – einige Verbesserungsvorschläge gibt es dennoch: „Wir brauchen einen größeren Auslauf“, sagt Prof. Dr. med. Axel Stachon, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin. Wenn die angeschlossenen Intensivstationen und die ZNA mehrere Proben hintereinander schicken, sei die Empfangsstation im Labor, die nur fünf Behälter aufnimmt, schnell voll. Das System melde dann: Transport nicht mehr möglich. „Deshalb bitten wir darum, nicht jede Probe einzeln sondern gemeinsam mit dringlichen Proben zu schicken“, sagt Prof. Stachon.

Darüber hinaus kommt es immer mal wieder vor, dass die Rohrpostanlage falsch bedient wird. Wenn Proben ohne Büchsen auf den Weg gehen oder Büchsen zu schwer beladen werden, ist die Anlage überfordert und stellt ihren Betrieb ein. Kommt es zu solch einer Störung, sind die Mitarbeiter aus dem Referat Technik gefragt, die die Anlage permanent am Computer überwachen. Sie machen sich dann auf die Suche nach der Ursache.

Anlage soll künftig auch Medikamente befördern

Fällt die Anlage kurzfristig aus, muss der Hol- und Bringedienst einspringen und – wie früher – den Transport der Proben übernehmen. Die Mitarbeiter kommen auch dann zum Einsatz, wenn besonders empfindliche Proben wie Thrombozytenfunktionsdiagnostik von A nach B gebracht werden müssen. Oder wenn Häuser noch nicht an das System angeschlossen sind.

Als nächster Schritt ist geplant, die Apotheke an das Rohrpostsystem anzuschließen und wichtige Medikamente auf den Weg zu schicken. Die Leitung dafür befindet sich bereits im Bau. Anschließend sollen die Ambulanz der Kinderklinik und weitere Stationen in Haus 10 an die Anlage angebunden werden. „Ziel ist, dass unser Haus irgendwann komplett verrohrt ist“, sagt Sperber.