Bei Erkrankungen der Lunge

COPD, Asthma bronchiale, Pneumonie, Bronchialkarzinom und Tuberkulose – Atemwegserkrankungen nehmen weltweit zu. 4 der 10 häufigsten Erkrankungen und Ereignisse, die weltweit zum Tod führen, finden sich in der Lungenheilkunde wieder. Unsere Pneumologie hält alle wichtigen Untersuchungsmethoden vor. Wir sind eine leistungsfähige endoskopische Einrichtung. Weiter sorgen wir für eine intensive klinische Betreuung unserer Patienten.

Konservative Pneumologie

Die Pneumologie führt im eigenen Lungenfunktionslabor die komplette Diagnostik mit Spirometrie, Bodyplethysmografie, Bodyplethysmografie mit Bronchospasmolysetest, Bestimmung des CO-Diffusionskoeffizienten, Messung der Atempumpe und Bestimmung der Blutgase mittels Blutgasanalyse durch.

Bodyplethysmografie

Zur Überprüfung der aktuellen Lungenfunktion, zur Diagnosestellung bei Luftnot und vor invasiven Eingriffen und Narkosen führen wir eine Bodyplethysmografie durch. Gegebenenfalls kommt diese Methode aber auch zur Verlaufskontrolle, zum Beispiel nach einer Verbesserung oder Verschlechterung des klinischen Krankheitsbildes, oder zur Kontrolle nach der Einleitung von Therapiemaßnahmen zum Einsatz.

Hierzu sitzt der Patient aufrecht in einer luftdicht verschlossenen gläsernen Kabine. Die Nase ist mit einer Nasenklemme verschlossen und er atmet entsprechend den jeweils vorgegebenen Kommandos in ein Mundstück. Durch Registrierung des Atemflusses und der Druckschwankungen in der Kabine können wir die sogenannten statischen und dynamischen Lungenvolumina ermitteln. Auch weitere Parameter wie Atemwegswiderstand oder Atemkraft können wir auf diese Weise testen.

Ergänzt werden kann die Untersuchung bei verengten Atemwegen durch einen Bronchospasmolysetest. Nach Inhalation eines schnellwirksamen bronchienerweiternden Medikamentes kann durch eine erneute Lungenfunktionsmessung festgestellt werden, ob die Verengung rückläufig ist.

CO-Diffusionsmessung

Mittels der Ein-Atemzug-Methode wird ein geschmacks- und geruchsloses Gasgemisch aus Helium, Kohlenmonoxid und Raumluft maximal eingeatmet und der Atem über 10 Sekunden angehalten. Anschließend wird der in der Ausatemluft verbliebene Anteil des Gemischs bestimmt. So können wir Rückschlüsse auf eine Störung des Gasaustausches ziehen.

Kapilläre Blutgasanalyse

Nach Erwärmen des Ohrläppchens durch eine durchblutungsfördernde Salbe wird über einen kleinen Stich mit einer Lanzette eine winzige Blutmenge in einer Glaskapillare (20µl) aufgefangen und untersucht. Bei Störungen des Gasaustauschs und Versagen der Atempumpe können wir die Notwendigkeit einer Langzeitsauerstofftherapie oder der häuslichen nichtinvasiven Beatmung überprüfen und entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten.

Belastungsuntersuchungen

Zur Untersuchung der Funktion der Lunge unter Belastungsbedingungen können wir eine Blutgasanalyse unter Belastung durchführen. Diese Untersuchungen eignen sich sowohl zur ersten Einschätzung wie auch zur Verlaufskontrolle.

6-Minuten-Gehtest:

Die Gehstrecke wird über sechs Minuten auf dem Laufband ermittelt. Der Patient gibt das Tempo vor. Alternativ kann die Gehstrecke auf ebenem Flur abgemessen werden. Dies hat den Vorteil, dass patienteneigene Hilfsmittel, zum Beispiel ein Rollator, benutzt werden können. Die Untersuchung ist je nach Fragestellung sowohl bei Raumluft als auch unter Sauerstoffzufuhr möglich.

Spiroergometrie:

Einen besonderen Stellenwert unter den Belastungsuntersuchungen hat die Spiroergometrie. Sie wird vor allem auf dem Fahrradergometer durchgeführt. Dabei trägt der Patient eine Maske, über die das Atemvolumen, Sauerstoff und Kohlendioxid gemessen werden. Zusätzlich zeichnen wir das EKG auf und kontrollieren den Blutdruck. Zudem führen wir mehrfach Blutgasanalysen durch.

Die Spiroergometrie dient dazu, zwischen herz- und lungenbedingter Luftnot differenzieren zu können. Außerdem können wir auf diese Weise die individuell mögliche kardiopulmonale Leistungfähigkeit erfassen, zum Beispiel vor geplanten Lungenoperationen. Gegebenenfalls können wir auch eine Trainingsempfehlung aussprechen.

Sonografie

Zur Beurteilung des Rippenfells und der äußeren Lungenanteile können wir eine Ultraschall-Untersuchung durchführen. So können wir zum Beispiel Flüssigkeitsansammlungen (Wasser, Eiter, Blut) diagnostizieren, ersteinschätzen und quantifizieren. Darüber hinaus können wir auf diese Weise Veränderungen des Rippenfells beurteilen oder Tumore nahe der Thoraxwand darstellen.

Die Pleurasonografie kann durch interventionelle diagnostische oder therapeutische Maßnahmen (z. B. Punktion, Biopsie oder Drainageanlage) ergänzt werden, teils unter Lokalanästhesie, teils unter Sedierung. Ebenso werden in Zusammenarbeit mit der Kardiologie die Echokardiografie und die Möglichkeit einer Rechtsherzkatheter-Untersuchung vorgehalten. Insbesondere bei den Rechtsherzkatheter-Untersuchungen ist ein Reaktivitätstest Standard.

Kardiorespiratorische Polygrafie

Zur Abklärung einer schlafbezogenen Atemstörung besteht zusätzlich die Möglichkeit einer Schlafapnoe-Screening-Untersuchung, einer sogenannten Polygrafie. Dabei zeichnen wir über Nacht Atemfluss, Thorax- und Abdomenexkursionen, Puls, periphere Sauerstoffsättigung, EKG, Körperlage und Schnarchen auf. So können wir fast das gesamte Spektrum abgedecken, das auch eine ausführliche stationäre Polysomnografie bietet. Die Polygrafie dient sowohl zum initialen Screening als auch zur Kontrolle nach Einleitung einer nächtlichen Überdrucktherapie oder einer nichtinvasiven Beatmung.


Endoskopie

Unter stationären Bedingungen ist die pneumologische Endoskopie von großer Bedeutung für die Onkologie. Das Bronchialkarzinom als häufigster Tumor überhaupt erfordert fortgeschrittene Methoden zur Diagnostik und Stadieneinteilung. Entsprechend dieses Anspruches wurden modernste diagnostische Möglichkeiten geschaffen. So ist eine Videobronchoskopie vorhanden. Die Qualität dieser Videobronchoskope reicht an den HDTV-Status heran. Mittels einer vorgehaltenen Durchleuchtungseinrichtung sind gezielte transbronchiale Biopsien möglich. Im Rahmen der Diagnostik der Alveolitiden führen wir bronchoalveoläre Lavagen mit Zelldifferenzierung durch.

Flexible Videobronchoskopie

Die flexible Bronchoskopie ist die Methode der Wahl zur Inspektion der unteren Atemwege. Dabei inhaliert der Patient zunächst ein Lokalanästhetikum, das den Rachenraum betäubt. Zumeist erfolgt dies über die Nase, in Ausnahmefällen auch über den Mund. Anschließend führen wir ein dünnes flexibles Endoskop über den Rachen zwischen den Stimmbändern hindurch in die Luftröhre ein. Je nach Beschaffenheit der Atemwege schieben wir es bis in die Segment-oder auch Subsegmentbronchien unter Sicht vor.

Auf diese Weise können wir die passierten Abschnitte beurteilen, Blutungsquellen ausfindig machen und die Durchgängigkeit der Bronchien bei Tumorwachstum beurteilen. Gegebenenfalls können wir auch mittels kleiner Zangen millimeterkleine Gewebsproben entnehmen. Eine gezielte Reinigung der unteren Atemwege bei ausgeprägtem Sekretverhalt mit respiratorischer Einschränkung ist ebenfalls möglich. Es werden routinemäßig Lungenabschnitte gezielt angespült und das wieder abgesaugte Material zur zytologischen und mikrobiologischen Untersuchung weitergeleitet.

Die Untersuchung wird bei nüchternem Patienten (Medikamente dürfen eingenommen werden) unter Sedierung durchgeführt. Während der Prozedur findet eine Monitorüberwachung von EKG, Sauerstoffsättigung und Blutdruck statt. Blutverdünnungsmittel stellen keine Kontraindikation zur Bronchoskopie dar. Jedoch entnehmen wir bei unzureichender Gerinnung durch orale Antikoagulantien oder bei doppelter Plättchenhemmung keine Gewebsproben.

Starre Bronchoskopie

Im Gegensatz zur flexiblen Bronchoskopie führen wir diese Untersuchung in Vollnarkose unter „Jet“-Beatmung durch. Hierbei schieben wir ein Edelstahlrohr durch den Mund zwischen den Stimmbändern in die Luftröhre vor. Über dieses Rohr können wir Instrumente oder auch ein flexibles Bronchoskop einführen. Verschiedene Interventionen sind über die starre Bronchoskopie möglich. Die Möglichkeiten reichen von der Fremdkörperentfernung bis zur Argon-Plasma-Beamer-Koagulation von Tumorblutungen. Rekanalisierende Maßnahmen werden mittels scharfer Abtragung durchgeführt. Weiter werden Laserabtragungen von Tumoren durchgeführt. Hier findet eine enge Zusammenarbeit mit der Thoraxchirurgie statt. In enger Kooperation mit der Thoraxchirurgie werden auch Thorakoskopien und Mediastinoskopien geplant und durchführt.

Endobronchiale Ultraschalluntersuchung (EBUS)

Zum Tumorstaging und zur Operationsplanung kann eine EBUS-Untersuchung durchgeführt werden. Diese erfolgt in der Regel unter starrer Bronchoskopie. Über das Edelstahlrohr führen wir eine flexible Ultraschallsonde mit videoskopischer Sicht ein. Vor Ort können die Strukturen, die der Luftröhre und den großen Bronchien anliegen (z. B. mediastinale Lymphknoten), sonografisch dargestellt und beurteilt werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, eine Feinnadel-Aspiration durchzuführen, um Material zur zytologischen Untersuchung zu gewinnen.


Klinische Pneumologie

Die Pneumologie betreut die Station 9/1. Hier behandeln wir Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen aus dem pneumologischen Spektrum, vor allem jedoch Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. In schweren Fällen werden sie gegebenenfalls auch einer Langzeitsauerstofftherapie oder einer häuslichen Beatmung zugeführt. Dabei berücksichtigen wir selbstverständlich auch den individuellen Wunsch des Patienten. Denn gerade bei einem chronischen Krankheitsverlauf stellt Luftnot einen bedeutenden Verlust an Lebensqualität dar. Im Einklang mit Patient und pflegendem Angehörigen gilt es, Lebensqualität zu erhalten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Pneumonien sowie von infektiösen pulmonalen Erkrankungen wie der Lungentuberkulose. Eine rasche und valide Diagnostik der Infektionserkrankungen ist mittels des eigenen mikrobiologischen Labors des Westpfalz-Klinikums möglich.

Des Weiteren betreuen wir hier Patienten mit Lungenkrebs, vor allem im Zeitraum der Diagnostik, aber auch während der Therapie. Gegebenenfalls sind wir im Anschluss an die Therapie weiterhin für die Patienten da, beispielsweise zur Symptomkontrolle bei Luftnot und Schmerz sowie zur Therapie rezidivierender Pleuraergüsse.

Die Behandlung pneumologischer Erkrankungen wird durch den Einsatz geschulten Personals mittels Physiotherapie und Atemtherapie unterstützt und optimiert.